Fünf Solisten in intelligenter Unterhaltung (04.05.09)

Sie bringen Literatur und Musik zusammen, sind somit im Grunde nur vertonte Gedichte. Wäre da nicht diese tiefe, erhabene und in sich ruhende Schönheit, die Madrigale, die in der Spätrenaissance mit den Kompositionen eines Monteverdis ihren Höhepunkt erreicht hatten, auch noch heute so reizvoll erscheinen lassen. Der italienische Komponist Mazzone sagte über sie: „Die Noten sind der Leib, die Worte aber die Seele der Musik“. Am Donnerstag ist die hohe Gesangskunst der Madrigale mit dem Vokalquintett Berlin im Kammermusiksaal Havelschlösschen zu erleben.

Martin Netter
, Tenor im Vokalquintett Berlin, spricht von der expressiven Kraft, die der Liebeslyrik der Madrigale innewohnt. Von der „intelligenten Unterhaltung“, zu der die fünf Stimmen ein solches Madrigal werden lassen können. „Das ist nicht einfach nur ein kleiner Chor, der hier singt. Wie in einem Streichquartett treffen Solisten aufeinander und lassen ihre unterschiedlichen Stimmen in dem Madrigal verschmelzen“, so Netter.

Das erst Anfang dieses Jahres gegründete Vokalquintett Berlin wird am Donnerstag Madrigale von Monteverdi aus dem ersten, dritten und vierten Madrigalbuch und von Heinrich Schütz aus dessen ersten Madrigalbuch singen. Das Thema gibt das titelgebende Gedicht Ride la primavera (Es lacht der Frühling) vor, das von Schütz für dessen erstes Madrigalbuch vertont wurde. Frühlingshafte Leichtigkeit und aufblühender Liebreiz, die Netter zusammen mit Christine Bohnenkamp und Nathalie Siebert (Sopran), Jonny Kreuter (Alt) und Amnon Selig (Bass) im Havelschlösschen aufleben lassen wollen.

Zueinander gefunden haben die Fünf im vergangenen Jahr bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Ein spontanes Konzert zum Abschluss der Festwochen mit Madrigalen von Monteverdi zeigte den Sängern im Alter zwischen 27 und 37 Jahren, dass hier fünf eigenwillige Solisten bestens zueinander passten. So wurde aus dem für einen einmaligen Auftritt Zusammenkommen eine dauerhafte Verbindung, um der hohen Gesangskunst der Madrigale zu frönen.

Dirk Becker in den Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 04.05.09

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